Der Entschluß

Nachdem ich mich schon länger mit dem Gedanken befaßt hatte, eine Solarstrom-Anlage zu bauen, unter anderem auch angeregt durch die Cyrus-Kampagne von Greenpeace, kam der endgültige Entschluß bei einer Veranstaltung vom rosenheimer solarförderverein e.v. im Jahr 1997. Auf dieser Veranstaltung war neben einem Vortrag von Prof. Schrimpff zum Thema Sonnenenergie auch ein Gespräch mit dem Betreiber einer Solarstrom-Anlage entscheidend. Im Rahmen dieses Gesprächs wurde auch gleich der Kontakt zu meiner späteren Installationsfirma Chiemsee Solar aufgebaut.

In dem Vortrag von Prof. Schrimpff hörte ich erstmals ein für mich sehr plausibles Argument für das geringe Interesse der Energieversorgungsunternehmen (EVUs) am Solarstrom. Zunächst könnte man ja meinen, daß es im Interesse eines Unternehmens sein müßte, kostenlos verfügbare Energie, nämlich Sonnenstrahlung, gewinnbringend zu nutzen. Das Problem ist jedoch, daß der Solarstrom im Gegensatz zu anderen Arten der Energieerzeugung relativ viel Fläche (zum Aufbau der Solarzellen) benötigt, und die EVUs besitzen zu wenig eigene Flächen, um darauf sinnvoll Solarstrom produzieren zu können. Atomkraftwerke, Müllverbrennungsanlagen etc. erzeugen ihre Energie dagegen auf relativ kleinem Raum.

Die meisten Flächen, die sich recht gut zur Erzeugung von Solarstrom eignen, nämlich Dach- und auch Wandflächen von Gebäuden, befinden sich größtenteils in Privatbesitz und stehen den EVUs daher nicht direkt zur Verfügung. Warum allerdings die EVUs hier mit den Besitzern keine Verträge abschließen über den Betrieb von Solarstrom-Anlagen auf diesen Flächen, z.B. gegen einen Anteil des dort produzierten Stromes, ist mir unerklärlich.

Zum damaligen Zeitpunkt war mir klar, daß der Bau und Betrieb einer Solarstrom-Anlage kurzfristig betrachtet keinen Gewinn abwerfen würde, denn bis zum 1. April 2000 wurde von den EVUs als Einspeisevergütung nur DM 0,17 gezahlt, wogegen die "Produktion" von 1 kWh Solarstrom etwa DM 2,00 kostete. Damit jedoch dieser Zustand nicht auch noch die nächsten Jahre so weiterbestand, war es aus meiner Sicht erforderlich, Eigeninitiative zu ergreifen. Zum Glück wurden inzwischen durch das  "Erneuerbare-Energien-Gesetz - EEG" von der Politik neue Rahmenbedingungen geschaffen, so daß durch die jetzige Einspeisevergütung von DM 0,99 in Verbindung mit Fördermitteln (z.B. aus dem 100000-Dächer-Programm) der wirtschaftliche Betrieb einer Solarstrom-Anlage möglich erscheint. Die jetzige Regelung kommt der damals diskutierten "Kostendeckenden Vergütung" für Solarstrom nahe und bestätigt im nachhinein die früheren Initiativen und Forderungen.

Bei den EVUs ist für mich noch kein grundsätzliches Umdenken erkennbar. Die aufgelegten Programme für "sauberen" Strom zeigen jedoch, daß die steigende Nachfrage nach erneuerbaren Energien wahrgenommen wurde.


Kontakt: Jörg Böttge zurück zur Startseite Stand: 16.07.2000